Freiwilliger Klinikeintritt vs fürsorgerische Unterbringung

Das Bundesgericht stellt klar: Ein freiwilliger Klinikeintritt steht einer fürsorgerischen Unterbringung nur entgegen, wenn die urteilsfähige Person ihre Zustimmung aus freier, unverfälschter Überzeugung erklärt und dadurch die akute Gefahr wirklich hinreichend abgewendet wird. Entscheidend ist, ob die Einwilligung nicht bloss aus (vermeintlicher) Alternativlosigkeit oder unter dem Eindruck einer angedrohten Zwangsmassnahme erfolgte. Im entschiedenen […]

Nur Teil der IV‑Rente bei nebenberuflicher Tätigkeit

Das Bundesgericht hat in der Sache der Beschwerdeführerin gegen den Unfallversicherer Helsana entschieden: BGer vom 08.04.2026, 8C_137/2025 (zur Publikation vorgesehen). Kernaussagen: Erstens ist bei der Berechnung der Ergänzungsrente der Unfallversicherung gemäss Art. 32 Abs. 1 OLAA nur jener Teil der IV-Rente zu berücksichtigen, der auf die obligatorisch versicherte Tätigkeit entfällt, wenn die IV-Rente […]

Art. 37 AVIV: kein Schutz bei arbeitgeberähnlicher Stellung

Das Bundesgericht hat in BGer vom 14.04.2026, 8C_360/2025 (zur Publikation vorgesehen) klargestellt, wie Art. 37 Abs. 3 AVIV zu handhaben ist. Entscheidend ist, ob zum Zeitpunkt des anrechenbaren Verdienstausfalls und bei hypothetischer sofortiger Anmeldung tatsächlich ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bestanden hätte. Wesentliche Erkenntnisse: Art. 37 Abs. 3 AVIV kommt nur zur Anwendung, wenn […]

Kokain-Grenzwert von 18 g bestätigt

Das Bundesgericht hat mit Urteil BGer vom 25.03.2026, 6B_942/2025 (zur Publikation vorgesehen) die langjährige Rechtsprechung zur mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz bestätigt. Die bundesgerichtlich entwickelten Grenzwerte, namentlich die Schwelle von 18 Gramm reinem Kokain als Anhaltspunkt für eine Gefährdung der Gesundheit vieler Menschen, bleiben massgeblich. Das Gericht betont, dass eine Praxisänderung nur […]

Keine Steuerbefreiung für Betreiber mit Energieverkauf

Der Bundesgerichtshof hat bestätigt, dass eine kommunal gehaltene Gesellschaft, die neben der Abfallverbrennung auch unternehmerische Aktivitäten wie den Betrieb eines Fernwärmenetzes (Thermoréseau) sowie den Verkauf von Elektrizität, Biogas, Kompost oder Holzschnitzeln ausübt, die Voraussetzungen für eine Steuerbefreiung nach Art. 56 lit. g LIFD nicht mehr erfüllt. Die Kammer betont zwar, dass die drei […]

Observation, Beweiswürdigung und Rückweisung an die Suva

Das Bundesgericht bestätigt in BGer vom 27.03.2026, 8C_802/2023 (zur Publikation vorgesehen), dass Observationsergebnisse, die von einer Privatversicherung rechtmässig erhoben wurden, von der obligatorischen Unfallversicherung verwertet werden dürfen, sofern die formellen Voraussetzungen des Art. 43a ATSG erfüllt sind. Wesentliche Erkenntnisse: Das Sozialversicherungsrecht kennt keine generelle Beschränkung bestimmter Beweismittel: Herkunft ist für den Beweiswert nicht […]

Ausschluss durch Tagesbetreuungsnetzwerk als Verwaltungsentscheidung

Das Bundesgericht bestätigt, dass vorschulische und schulergänzende Betreuung im Kanton Waadt eine öffentliche Aufgabe ist und den anerkannten Tagesbetreuungsnetzwerken übertragen wird. Aus dieser Rechtslage folgt, dass Netzwerke über eine implizite Entscheidungsbefugnis verfügen, Kinder aus ihren Strukturen auszuschliessen, sofern dies für die Erfüllung der öffentlichen Aufgabe notwendig ist. Ein solcher Ausschluss kann sich als […]

Lebensprägung bei Altersehen: BGer präzisiert Unterhaltsprüfung

Das Bundesgericht hat in der Sache BGer vom 01.04.2026, 5A_356/2025 (zur Publikation vorgesehen) die Rechtsprechung zu Art. 125 ZGB konkretisiert. Entscheidend bleibt der ergebnisoffene Kriterienkatalog von Art. 125 Abs. 2 ZGB; bei «Altersehen» kann Lebensprägung bejaht werden, auch wenn der Verlust der Erwerbsfähigkeit nicht ehebedingt ist, sofern die betroffene Partei im Rahmen ihrer […]

ZPO-Fristen bei Konkurseröffnung: Betreibungsferien gelten nicht

Das Bundesgericht hält in BGer vom 27.03.2026, 5A_989/2025 (zur Publikation vorgesehen) fest, dass für gerichtliche SchKG-Streitigkeiten die Fristenregelung der ZPO massgebend ist. Das bedeutet: Entscheidet ein Gericht über SchKG-Summarverfahren (etwa Konkurseröffnung), so sind die ZPO-Bestimmungen über den Stillstand der Fristen anwendbar und nicht die Betreibungsferien bzw. der Rechtsstillstand des SchKG. Praktische Folge: Im […]

Krankheitstage als Beitragszeit – Anspruch auf 260 Taggelder

Das Bundesgericht hat in BGer vom 19.03.2026, 8C_457/2025 (zur Publikation vorgesehen) klargestellt, dass Zeiten der Arbeitsunfähigkeit, während denen Taggelder der Krankentaggeldversicherung bezogen werden, nach Art. 13 Abs. 2 lit. c LACI als Beitragszeit gelten, auch wenn keine AHV-Beiträge entrichtet wurden. Sachverhalt: Der Versicherte wurde Ende 2022 gekündigt und ab 6.12.2022 arbeitsunfähig. Die kantonale […]